erstellt am 18. Mai 2000 um 14:36 Uhr
Liebe Hundefreunde!Den Ratgeber Abgabealter von Welpen ist in seinen Ausführungen gut gemeint und nett - aber leider auch nicht ganz korrekt!
Hier dazu eine weitere Meinung:
Meine Anmerkungen beziehen sich dabei immer auf Beobachtungen an freilebenden Wölfen (nicht Gehegewölfe!!!) und Erkenntnissen von Verhaltensforschern wie z.B. Ziemen, Bloch und Bubna-Littitz
>>Genau diesem natürlichen Trieb müssen Sie als zukünftiges "Rudel" folgen und demzufolge den Welpen möglichst in der 8. Lebenswoche vom sich "Züchter" nennenden "Wohnstubenvermehrer" abholen. Nur so, erklärt man Ihnen, könne sich der Welpe auf Sie, seinem neuen "Rudel" prägen.
Weitere dieser Teilwahrheiten und Argumentationen entspringen ebenso der Phantasie von hochbezahlten Funktionären.<<
Was heißt hier hochbezahlte Funktionäre. Laßt doch mal Verhaltensökologen zu Wort kommen z.B. G. Bloch.
>>Zitat:
Jedoch hat die Hündin bis dahin den Welpen bereits gewisse Grundverhaltensweisen anerzogen: Der tägliche Kampf der Welpen um die ergiebigste Zitze des Gesäuges der Mutter, wird von der Hündin genauestens überwacht. Mittels der Gestik und Mimik, aber auch des "Eingreifens", dem "Lefzengriff", dem "Genickgriff" und dem "Schütteln" wird dem Welpen bereits in diesen Tagen vom Muttertier eine Grundstruktur des sozialen Verhaltens im Wurf beigebracht.<<
Anmerkung:
Eine Wölfin wendet ihren Welpen gegenüber niemals einen Nackengriff (oder Nackenschütteln) an! Das sollte seit Günter Blochs "Der Wolf im Hundpelz" eigendlich jedem wirklich intressierten Hundehalter oder Züchter klar sein! Fehlgedeutet wird dabei das sogenannte „Beuteschüttel“ das aber ausschließlich Welpen und Jungtiere untereinander zeigen. Aber niemals von Erwachsenen gegenüber den Jungen benutzt wird.
>>Die Prägephase eines HundeWelpen beginnt ca. in der 5. Lebenswoche und wird niemals tatsächlich beendet.<<
Die wirkliche Prägephase hat tatsächlich irgendwann ein Ende auch wenn man es nich genau mit der 16. Woche fixieren sollte. Das heist zwar nicht das ein Hund danach nichtmehr an Neues gewöhnt werden kann... aber es ist dann ungleich schwerer! Und unter Umständen mit sehr viel Streß für das Tier verbunden.
Es ist je nach Hunderasse (und Aufzuchtbedingungen) äußerst sinnvoll den Welpen schon mit 8 Wochen zu holen z.B. bei Extremjagdhunden, die aber nicht jagdlich geführt werden sollen und Herdenschutzhunden! Man kann den Welpen dann viel umsichtiger auf sein neues Lebensumfeld prägen. Und manch eine Tierpsychologische Praxis hätte wesentlich weniger zu tun, wenn die Welpen in einem frühen Alter unter Menschen kämen, statt in einer abgelegenen Gegend 12 Wochen bei ihrer Mutter zu sein und dabei nie ein Auto, Fahrrad, Skatebord oder sonstige Errungenschaften unserer Zivilisaton kennengelernt zu haben.
Dazu hier ein kurzes Beispiel:
Ich kenne eine Hündin, die bis zu ihrem 7. Lebensmonat definitiv nur 3 Menschen kennen gelernt hat. Darüber hinaus hatte sie täglichen Auslauf mit mehreren Zuchthunden auf einem abgeschlossenen großen Grundstück. Diese Hündin war absolut Menschenscheu (gegenüber Fremden) und erinnerte eher an einen Wolf, statt an einen Hund. Es hat meine Schwester und mich über 1 Jahr hartes Training gekostet diese Hündin an ein normales Leben unter Menschen zu gewöhnen.
>>Die Welpen beginnen nun auch das Futter der Mutter mitfressen zu wollen und lernen hier deutlicher die Rangordnung durch das Muttertier kennen. Am Freßnapf wird eine gute Zuchthündin ihre höhere "Rangordnung" selbst ihren eigenen Welpen gegenüber verteidigen.<<
Ist bei Wölfen garantiert nicht zu beobachten. Bei Wölfen gibt es nämlich keine Futterrangordnung (nach erfolgreicher Jagd) und schon garnicht gegenüber Welpen. Verteidigt werden Stücke von Futterreserven die für Notzeiten versteckt worden waren. Und die werden von demjenigen verdeidigt der sie zuerst ausgegraben hat (auch wenn das der schwächste Wolf des Rudels war)! Die Futterrangordnung die sich in Hundegruppen zeigt stellt ein degeneriertes Verhalten dar, das man auf keinem Fall unterstützen sollte! Hündinen, die solches Verhalten gegenüber ihren eigenen Welpen zeigen kann man fast schon als nicht „Zuchttauglich“ bezeichnen, da sie im Zweifelsfall das Überleben der eigenen Welpen aufs Spiel setzen.
>>Der Welpe beginnt zu verstehen, was es heißt, wenn das Muttertier in welcher Tonlage knurrt, die Lefzen hochzieht und die Zähne zeigt, oder den Welpen zum Spielen auffordert. <<
Die Wölfin geht erst dann rauh mit den Welpen um, wenn sie an das Rudel übergeben worden sind (mit ca. 8 Wochen). Vorher haben die Welpen absolute Narrenfreiheit!!!
>>Die "Prägephase" eines HundeWelpen ist bei Weitem nicht mit der 8. Lebenswoche abgeschlossen, und es ist fachlicher Blödsinn, wenn behauptet wird, diese wäre mit der 16. oder 18. <<
Sag das mal den wirklichen Fachleuten.
>>Ein Welpe, welcher noch mit der 8.Lebenswoche bei der Mutter liegt, von der 8. - 12. Lebenswoche eine soziale Prägung im Rudel mit anderen Welpen, Junghunden und "Alten" Hunden kennenlernt, ist durch die menschliche Hand leichter zu erziehen und zu prägen, als ein Welpe, welcher die "Unterordnung" nicht von seinen Artgenossen lernen konnte, <<
Welche Welpen haben schon das Glück in einem Rudel aufzuwachsen? Die meisten kennen doch nichtmal ihren Vater oder einen anderen Rüden! Welchen Vorteil sollen solche Welpen denn haben?
>>...das Risiko, daß Welpen in der 10. oder 11. Lebenswoche an Parvovirose erkranken und schließlich nicht nur in unerfahrenen Händen sterben, nicht durch eine Impfung ausgeschlossen werden kann. <<
Diese Risiko besteht in der Tat. Und die Käufer eines jungen Welpen sollten in jedem Fall eindrücklich auf diese Gefahr hingewiesen werden.
Diese Argument alleine ist jedoch nicht stark genug ein so spätes Abgeben der Welpen zu rechtfertigen.
>>rassehunde.de unterstellt diesen "Züchter" das Nichtwissen über dieses Risiko, weil das Wissen hierüber bedeuten würde, daß der "Züchter" bewußt dieses Risiko auf den oft unerfahrenen Welpenkäufer durch den Verkauf in der 8.Lebenswoche zu übertragen und entsprechende Regreßansprüche des Käufers durch den üblichen, die Gewährleistung ausschließenden, Kaufvertrag zu umgehen versuchen würde. Da rassehunde.de nicht diese Boßgläubigkeit zu unterstellen gedenkt, versuchen wir hier nur offen und ehrlich zu informieren.<<
Gute Worte, aber eine Unterstellung ist es trotzdem. Auch sind nicht alle Welpenkäufer unerfahren!
Wie oft kommt denn heute noch eine Parvoviroseinfektion heute noch vor? Die häufigkeit entzieht sich leider meiner Kenntnis, ich weiß nur das das Risiko besteht.
>>Die Entscheidung, welche Argumentation die richtigere Logik enthält, lieber Leser, obliegt einzig und allein Ihnen. <<
Gut, dann bring doch bitte auch Argumente von Wissenschaftlern und Verhaltensforschern und nicht nur von sog. Wohnstubenzüchtern.
Selbst namhafte Verhaltensforscher und Verhaltensökologen unterstützen es ausdrücklich die Welpen mit 8 Wochen abzugeben.
z.B. Günter Bloch, Ray Coppinger, etc.
Denen kann man nun wirklich keine kommerziellen Absichten unterstellen, da beide selbst keine Hunde züchten! Jedoch viel Zeit damit verbringen freilebende Wölfe und Koyoten zu beobachten.
Ich kann jedem interessierten Hundefreund nur empfehlen das Buch "Der Wolf im Hundepelz" zu lesen, bzw. sich mal ein Hundehalterseminar von Bloch anzuhören. Da lernt man wirklich was über Hunde!
Viele Grüße an alle Hundefreunde
Michaela Krenz-May
Dipl. Tierpsychologin