erstellt am 17. Juli 2000 um 09:23 Uhr
Die e-mail erreichte uns in Kopie mit der Bitte um Veröffentlichung:
----- Original Message -----
From: <PFaltermei@aol.com>
To: <redaktion-newsletter@rassehunde.de>
Sent: Tuesday, July 11, 2000 11:18 AM
Subject: Schreiben an Herrn Lüttmann, Hessen
> Für Sie der guten Ordnung halber eine Kopie meines Schreibens an o.g. Herren.
> ________________________________________
>
> >Sehr geehrter Herr Lüttmann,
>
> ich lebe zwar nicht in Hessen, sondern in Bayern, ja ich besitze noch nicht
> einmal sogenannte "Kampfhunde", habe aber dennoch das dringende Bedürfnis,
> als Halter von zwei Bostons - die aufgrund ihrer schwarz-weißen Färbung und
> des muskulösen Körperbaus (bei dieser Rasse handelt es sich um relativ kleine
> Hunde mit ausgeprägt gutmütigem Charakter und großer Gelassenheit) immer
> wieder gerne mit Staffordshires "verwechselt" und getreten werden, obwohl für
> jeden intelligenten und nicht von BILD-hafter Darstellung geprägten Menschen
> deutlich die Unterschiede im Aussehen ersichtlich sein sollten - mich heute
> an Sie mit einigen Fragen zu wenden, auch wenn in Hessen die Reglements u.U.
> etwas anders aussehen als hier in Bayern.
>
> - Warum werden bestimmte Rassen fortlaufend diskriminiert, abgestempelt,
> verfolgt und letztendlich auch ausgerottet (etwas Ähnliches hat Deutschland
> doch schon einmal gesehen), nur weil EINZELNE Angehörige dieser Rassen
> auffällig geworden sind und anderes Leben schwer verletzt bzw. zerstört haben?
>
> - Warum werden nicht ausschließlich diese einzelnen Hunde aus dem Verkehr
> gezogen und die dazugehörigen Halter entsprechend drakonisch bestraft?
> Schließlich ist es eine Tatsache und keine Schönrederei, daß das Problem am
> OBEREN Ende der Leine liegt und psychopathische Menschen eben auch
> psychopatische Hunde hervorbringen, nämlich durch schlechte Prägung, falsche
> Erziehung, unnötiges Abrichten und Scharfmachen.
>
> - Warum werden GANZE Rassen zwangsgetötet, wenn die Missetaten einzelnen
> Hunden und Haltern zuzuschreiben sind? Könnte man da nicht genauso hergehen
> und die gesamte Menschheit aufgrund der Verbrechen einzelner Gestörter zu
> einem allgemein übergreifenden Zuchtverbot und dem ständigen Tragen von
> Handschellen und Fußketten verpflichten und womöglich auch eine weitläufige
> "vorbeugende" Einschläferung vornehmen, denn sieht man sich die Vielzahl von
> Kindesmißbrauch, Mord, Vergewaltigung und anderen schweren Gewaltverbrechen
> an muß es sich beim Menschen doch zweifellos um eine "potentiell gefährliche
> Rasse" handeln - oder etwa nicht? Wer hier sagt ein Mensch ist ein Mensch und
> ein Tier ist ein Tier, den darf ich daran erinnern, daß in der Geschichte der
> Menschheit diese Grenze nur zu oft grausam verwischt worden ist und ein Tier
> oft menschlicher handelte als so mancher Zweibeiner. Im Übrigen ist ein Leben
> ein Leben und ein Unrecht ein Unrecht. Das eine muß geschützt, das andere
> vermieden werden - was mit den neuen Gesetzen zum Thema "Kampfhund" aber
> sicherlich (und wieder einmal) ins groteske Gegenteil verzerrt wird.
>
> - Warum kann man nicht bundesweit einen überall gleich geregelten
> Hundeführerschein und einen Wesenstest für Hund UND Halter einführen, wo
> nicht nur die Anlagen des Hundes, sondern vor allem auch die Eignung des
> Halters überprüft wird? Dabei sollten aber ausnahmsweise einmal nicht wieder
> finanzielle Gesichtspunkte im Vordergrund stehen, sondern die persönliche,
> charakterliche und geistige Eignung des Halters, denn schließlich sind dies
> die Schlüsselfaktoren für eine erfolgreiche und sozial verträgliche Erziehung
> eines Hundes, und zwar JEDEN Hundes, unabhängig von der Rasse.
>
> - Warum wird die Zucht bestimmter Rassen gleich völlig verboten, anstatt die
> Züchter mit strengen Auflagen dazu zu veranlassen, bei der Zuchtauswahl und
> dem Einbringen einzelner Hunde in die Zuchtlinie absolut verantwortungsvoll
> und vernünftig zu handeln und bereits an dieser so wichtigen Stelle in der
> Kette mit Sachverstand dazu beizutragen, daß nur wesensfeste und gut
> veranlagte Hunde zur Zucht Verwendung finden, somit also auch die Rassen in
> ihrem Standard erhalten und das Auftreten der Hunde sozial und anerkannt
> zuverlässig bleibt? Verstöße sollten logischerweise zum sofortigen Ausschluß
> des Züchters führen, selbst wenn er eine gewisse "Entschädigungssumme"
> entrichten möchte.
>
> - Warum soll der sogenannte Wesenstest und der Hundeführerschein als
> Exklusivmarke in die Hand des VDH gelangen, wo es doch beim VDH nur darum
> geht, eine Monopolstellung zu erlangen und diese durch geschickte Strategien
> und mit Augenmerk auf finanzielle Belange zu erhalten, damit andere Vereine
> aus dem "Rennen" geworfen werden und der VDH weiterhin nur seine eigenen
> Interessen vertreten kann? Daß es dem VDH ebenso wenig um die sichere
> Regelung der Hundehaltung geht wie es den nach "...freier Waffenbesitz für
> alle Deutschen! Wir schlitzen die Drecksköter auf!..." gröhlenden BILD-Lesern
> um den Schutz ihrer Kinder usw. geht, dürfte einem vernünftigen Menschen klar
> sein. Wenn der VDH das Monopol auf den Wesenstest und Hundeführerschein
> erlangt, wird sich in Zukunft nur noch der entsprechend zahlungsfähige
> Bewerber einen Hund halten können, und das darf dann auch ruhig ein
> sogenannter "Kampfhund" sein, denn wenn die Kasse stimmt, bestätigen
> Ausnahmen gerne die Regel, und die lautet dann: eine Putzfrau muß sich mit
> dem "Führen" eines Meerschweinchens zufrieden geben, was anderes kann sie
> sich eh nicht leisten, und schon gar nicht den Hundeführerschein beim VDH.
>
> - Warum gibt es kein auf mehrere Jahre ausgelegtes Zuchtverbot für den
> Deutschen Schäferhund, der bekanntlich nicht nur seit 1938 die deutsche
> Beißstatistik auf den ersten Rängen belegt und inzwischen seit seiner
> Einführung durch den Herr Rittmeister vor etwa 100 Jahren total überzüchtet
> und degeneriert ist und zudem - besonders bei falscher Erziehung - zu den
> unberechenbarsten und unzuverlässigsten Hunden überhaupt zählt? Warum ist der
> Deutsche Schäferhund nach wie vor unantastbar, auch wenn er tagtäglich noch
> so viele Kinder anfällt? Es dürfte ja wohl auf der Hand liegen, daß sich die
> Psychopathen, die nun keine "Kampfhunde" mehr halten dürfen, demnächst direkt
> dem Schäferhund zuwenden und ihn nach ihrem Ebenbild formen. Wohin das
> innerhalb der nächsten zwei, drei Jahre führen wird, ist wohl eindeutig.
> Guten Morgen Deutschland, nun haben wir wirklich ein Problem.
>
> - Warum kann eine Regierung nicht ihrer Verantwortung gegenüber dem Volk und
> der Wahrheit nachkommen und Medien wie der BILD und anderen allzu auf
> Sensation und Einschaltquoten ausgerichteten "Berichterstattern" einen Riegel
> vorschieben, indem man - anstatt zuzulassen, daß sich eine von Haß, Ignoranz
> und Gewaltgier getriebene Masse einer an anti-semitische Parolen erinnernde
> Stimmungsmache hingibt - die Bevölkerung durch sachliche und fachliche (!)
> Informationen von öffentlicher Stelle aus (es gibt doch genug Ämter, eines
> davon wird sicherlich dafür zuständig sein) über die Tatsächlichkeiten im
> Zusammenhang mit dem Thema "Kampfhund" aufklärt und damit zumindest ein wenig
> der allgemeinen Hysterie und der Herrensprache so manchen Boulevardblatts
> entgegenwirkt? Wäre es nicht ratsam, Vorfälle wie jene, wo unbescholtene
> Halter samt ihren unschuldigen Hunde auf offener Straße von
> zaunlattenschwingenden Familienvätern vor den Augen der Kinder angegriffen
> und verfolgt wurden (geschehen natürlich nur zum "Schutz" der Kinder, die die
> Hunde streicheln wollten, und Hunde sind doch schließlich alle
> "Kinderfresser" - so z.B. laut Aussage eines mit Steinen auf Hund und Halter
> werfenden Starnbergers in der Nähe von München), zu vermeiden, damit eben
> diese Hunde und Halter, die noch nie etwas verbrochen haben, weiterhin normal
> leben können und nicht wie politisch Verfolgte beim Gassigehen schon Angst um
> Leib und Leben haben müssen? Was ist nur aus diesem Land geworden. Krank ist
> es, krank und ganz nah am Abgrund.
>
> Ich erwarte von Ihnen keine Antworten auf all diese Fragen. Was ich erwarte
> ist ein Umschwung in Deutschland. Keinen Umschwung politscher Natur, sondern
> einen geistigen Umschwung innerhalb dieser Bevölkerung, denn es ist schon
> längst keine Zierde mehr, Deutscher zu sein.
>
> Gruß,
> Petra Faltermeier<
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