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Autor Thema:   Berner Sennenhund - Angstbeisser?
Jersey
Junghündin / Junghund

Beiträge: 9
Von:Deutschland, 63776 Mömbris
Registriert: Jun 2002

erstellt am 12. Juni 2002 um 12:31 Uhr    Klicken Sie hier, um sich das Profil von Jersey anzusehen!     Beitrag editieren/löschen   Antwort mit Zitat
Kann mir jemand diese Meinung bestätigen bzw. widerlegen?
Wir wollen uns eigentlich im September einen Berner Sennenwelpen nach Hause holen.
Gerade weil die Hunde überall als sanftmütige Riesen beschrieben werden, haben wir uns gerade deshalb für diese Rasse entschieden.
Jetzt habe ich aber von einem Tierarzt gehört, die Berner Sennenhunde sollen gar nicht mehr so sein, sondern hätten sich im Laufe der Jahre (durch Überzüchtung?!?!) zu Angsbeissern entwickelt.
Wer hat Erfahrung speziell mit Berner Sennenhunden und weiß mehr darüber?!? Muß ich deshalb bedenken haben? Ich kann mir kaum vorstellen, daß man das einem Hund ansieht, oder?

Schon mal danke für jede Antwort!

IP: gespeichert

uwe
Leithund

Beiträge: 197
Von:06179 Steuden
Registriert: Jan 2000

erstellt am 12. Juni 2002 um 13:39 Uhr    Klicken Sie hier, um sich das Profil von uwe anzusehen!     Beitrag editieren/löschen   Antwort mit Zitat
Hallo Jersey,

na so ein Schmarren, was der "Möchtegern-Tierarzt" da erzählt. Um Gottes Willen solltest Du diesen Tierarzt künftig meiden!!

Aber frag ihn doch mal nach der Definition für den Begriff "Überzüchtung". Da wird er schon dran scheitern, da es keine gibt. Es gibt mit Sicherheit Fehler aus verschiedenen Gründen im deutschen Zuchtwesen, aber den Begriff "Überzüchtung" konnte mir bis dato noch niemand erklären. Er wird eben nur sehr oft für die Negativberichterstattung benützt, da er populistisch klingt. Offensichtlich ist dieser Tierarzt dann wohl ein BILD-Zeitungsleser.

Aber zu Deiner eigentlichen Anfrage:

Es ist tatsächlich so, dass der Berner Sennenhund ein ganz sensibler Hund ist, bei welchem in der Aufzucht der Welpen bereits sehr viele, oft dauerhafte Auswirkungen auf das Verhalten des Hundes verursachende, Erziehungsfehler gemacht werden können.

Du solltest also strengstens und genauestens darauf achten, dass die "Welpenstube" hervorragende Bedingungen für die Aufzucht bietet.

Gerne darfst Du mich anrufen, dann erörtere ich Dir die optimalen Aufzuchtbedingungen.

034601 22473

Hier nur soviel:
es ist definitiv falsch zu behaupten, der Berner Sennenhund sei ein Wohnungshund!

------------------
Ihr / Euer Leithund in diesem Forum

IP: gespeichert

Jersey
Junghündin / Junghund

Beiträge: 9
Von:Deutschland, 63776 Mömbris
Registriert: Jun 2002

erstellt am 12. Juni 2002 um 14:11 Uhr    Klicken Sie hier, um sich das Profil von Jersey anzusehen!     Beitrag editieren/löschen   Antwort mit Zitat
Hallo Uwe!

Danke für diese Aussage. Ich kann Dir gar nicht sagen, was für ein Stein mir gerade vom Herzen gefallen ist!
Ich habe mich schon so auf den Hund "eingeschossen" und mich so gut ich konnte über diese Rasse informiert, daß mich die Aussage des Tierarztes wirklich total verunsichert hat.
Ich war halt auch immer der Meinung das es eine Erziehungssache und eben auch die Umgangsform mit einem Hund, beinhaltet, wie er sich letztendlich entwickelt und in verschieden Situationen verhält.
Danke für Dein Angebot Dich anzurufen. Auf das Angebot komme ich auch gerne zurück, sobald wir uns Welpen anschauen können. Damit ich bis dahin auch ja nichts vergessen kann :o)
Bisher hat sich jedoch noch niemand auf meine Anzeigen gemeldet bzw. hat sich noch nichts "gefunden".

Also noch einmal vielen Dank und es ist beruhigend zu wissen, wo man fragen kann und darauf auch Hilfe bekommt.

Danke

Viele Grüße
Jersey

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Krenz-May, Michaela
Junghündin / Junghund

Beiträge: 84
Von:D,56204 Hillscheid
Registriert: Mai 2000

erstellt am 12. Juli 2002 um 10:54 Uhr    Klicken Sie hier, um sich das Profil von Krenz-May, Michaela anzusehen!     Beitrag editieren/löschen   Antwort mit Zitat
Hallo Jersey, hallo Uwe,

Zitat:
Kann mir jemand diese Meinung bestätigen bzw. widerlegen?...
Gerade weil die Hunde überall als sanftmütige Riesen beschrieben werden, ...
Jetzt habe ich aber von einem Tierarzt gehört, die Berner Sennenhunde sollen gar nicht mehr so sein, sondern hätten sich im Laufe der Jahre (durch Überzüchtung?!?!) zu Angsbeissern entwickelt.
Wer hat Erfahrung speziell mit Berner Sennenhunden und weiß mehr darüber?!? Muß ich deshalb bedenken haben?

Na Angstbeisser nicht direkt! Aber es tauchen immer mehr Berner mit Wesensmängeln auf.
Auf jeden Fall solltest Du dich sehr gut erkundigen. Wenn Du einen Züchter gefunden hast frag auf jeden Fall nach Besitzern seiner vorigen Welpen und nimm zu denen Kontakt auf. Schau dir die Hunde an die bereits älter als 1,5 Jahre sind! Wenn die dir vom Wesen her gefallen ist es gut.

Zitat:
Zitat Uwe:
na so ein Schmarren, was der "Möchtegern-Tierarzt" da erzählt. Um Gottes Willen solltest Du diesen Tierarzt künftig meiden!!

Sorry Uwe, ich muß dem Tierarzt leider beipflichten. In den letzten Jahren häufen sich die Fälle von Wesensschwachen Bernern!
Ich hatte davon einmal ein Geschwisterpaar im Erziehungskurs. Die Beiden waren übervorsichtig und extrem scheu! Dies hat sich allerdings erst gezeigt als sie etwa 1 Jahr alt waren. Mangelnde Sozialisierung kann das nicht sein, denn:
Beide Besitzer haben mit den Welpen regelmäßig (d.h. wöchentlich) eine Welpengruppe und danach eine Junghundegruppe besucht. Zunächst verhielten sich beide Hunde völlig normal. Dann als sie ca 8-9 Monate alt (und geschlechtsreif) waren wurden beide scheu! Und das sind hier in der Gegend keine Einzelfälle!

Zitat:
Aber frag ihn doch mal nach der Definition für den Begriff "Überzüchtung". ...
aber den Begriff "Überzüchtung" konnte mir bis dato noch niemand erklären. Er wird eben nur sehr oft für die Negativberichterstattung benützt, da er populistisch klingt. Offensichtlich ist dieser Tierarzt dann wohl ein BILD-Zeitungsleser.

:-) genau definieren läßt sich der Begriff "überzüchtet" sicherlich nicht. Landläufig ist damit aber sicherlich gemeint, daß wenn der "run" auf eine Hunderasse sehr groß ist. Wie bei einigen "Modehunden" das dann die gescheite Selektion der "Zuchttiere" auf der Strecke bleibt. Und dann schleichen sich nunmal Wesensmängel und oft auch Gesundheitliche Mängel ein! So in der Vergangenheit geschehen beim Goldi, Dalmatiner, ...

Ich persönlich würde bei diesen "Moderassen" genauestens auf die Vorfahren der Zuchttiere und frühere Würfe schauen.

Zitat:
Es ist tatsächlich so, dass der Berner Sennenhund ein ganz sensibler Hund ist, bei welchem in der Aufzucht der Welpen bereits sehr viele, oft dauerhafte Auswirkungen auf das Verhalten des Hundes verursachende, Erziehungsfehler gemacht werden können.
Du solltest also strengstens und genauestens darauf achten, dass die "Welpenstube" hervorragende Bedingungen für die Aufzucht bietet.

Wie schon oben gesagt, das ist es nicht allein. Meine beiden letzten Fälle (das auffällige daran ist eben das es Geschwister sind) zeigen das eindeutig. Bis zur Geschlechtreife verhielten sich beide völlig normal. Beide wurden mit sehr viel Liebe, Geduld und Einfühlungsvermögen sozialisiert und trotzdem wurden sie später scheu. Und das ist dann eindeutig als Wesensmangel zu sehen!

Viele Grüße
Michaela

IP: gespeichert

Jersey
Junghündin / Junghund

Beiträge: 9
Von:Deutschland, 63776 Mömbris
Registriert: Jun 2002

erstellt am 12. Juli 2002 um 12:27 Uhr    Klicken Sie hier, um sich das Profil von Jersey anzusehen!     Beitrag editieren/löschen   Antwort mit Zitat
Hallo Michaela!

Danke Dir für Deine Antwort.
Wir haben nun seit knapp vier Wochen eine neun Monate alte Berner Sennenhündin namens Cindy. Sie ist ein Scheidungshund und hat dringend ein liebevolles Zuhause gesucht. Wir haben unser neues Familienmitglied in der Zeit wo wir sie jetzt haben, sehr lieb gewonnen und auch Cindy hat sich ziemlich schnell bei uns eingewöhnt.
Und ich kann Deine Meinung mittlerweile bestätigen, allerdings weiß ich nicht, ob es eine "Wesensschwäche" bei ihr ist, oder die vorherige Erziehung. Sie kann ganz wahnsinnig lieb, verschmust und anhänglich sein. (Ist sie auch überwiegend) Dann aber wieder total scheu (zwar nicht uns gegenüber), verunsichert und vor allem unwahrscheinlich stur. Und wir (mein Mann und ich) sind wirklich sehr geduldig mit ihr. Aber wir können ihr auch nicht alles durchgehen lassen, sonst tanzt sie uns irgendwann nur noch auf der Nase rum. Erhebt man dann irgendwann das Wort, weil man sie z. B. schon fünfmal gerufen hat, ohne das sie überhaupt in irgendeiner art und weise auf mich oder meinen Mann reagiert hat, zieht sie Kopf und Schwanz ein, setzt sich hin und bewegt sich keinen Millimeter mehr von der Stelle oder das krasse Gegenteil: sie macht erst recht was sie will. Erst wenn man sie dann am Genick schnappt, findet sie urplötzlich ihr Gehör wieder.
Wir haben zwar schon Fortschritte mit ihr gemacht (am Anfang durfte man sie überhaupt nicht am Halsband nehmen), das Kommando sitz beherrscht sie (sofern sie nicht auf ihren Ohren sitzt) und mittlerweile gibt sie auch Pfötchen..
Am Wochenende war ich mit ihr bei einer Hundeschule und wollte mich dort eigentlich anmelden. Aber das konnte ich mir nach der ersten Stunde wieder aus dem Kopf streichen. Sie hat schon während der ersten Stunde erst mit Unsicherheit, dann mit Angst reagiert (Hinsetzen, keinen Millimeter mehr bewegen).
Ich habe ja wirklich viel Geduld, aber stellenweise bin ich dann wirklich mit meinem Latein am Ende. Ich mag meinen Hund nicht schlagen, damit er hört - dafür habe ich an sich kein Verständnis und ich kann meinen Hund auch nicht ständig mit Leckerlies belohnen. Ich habe nämlich gemerkt, daß sie sehr gut hört, wenn sie weiß, daß ich Leckerlies in der Hand habe, sie aber um so ignoranter ist, wenn ich kein Leckerli habe...
Ich muß dazu sagen, daß ich nicht unerfahren mit Hunden bin. Bin mit Hunden aufgewachsen und habe selbst vier Hunde großgezogen und mit erzogen. Darunter waren auch zwei Rottweiler-Hündinnen, die auch anfangs recht stur waren. Wobei ich aber sagen muß das Cindy Sturheit die beiden um Längen übertrifft.
Kannst Du mir vielleicht einen Tipp geben? Wie bekomme diese Sturheit bei ihr zumindest in den Griff?!?
Bin für jede Antwort/Hilfe dankbar.

Viele Grüße
Jersey

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Krenz-May, Michaela
Junghündin / Junghund

Beiträge: 84
Von:D,56204 Hillscheid
Registriert: Mai 2000

erstellt am 16. Juli 2002 um 13:20 Uhr    Klicken Sie hier, um sich das Profil von Krenz-May, Michaela anzusehen!     Beitrag editieren/löschen   Antwort mit Zitat
Hallo Jersey,

glückwunsch zu eurem Familienzuwachs. Eure Cindy ist also 9 Monate alt... nun ja da habt ihr ein Stückchen Arbeit vor euch.

Zitat:
Und ich kann Deine Meinung mittlerweile bestätigen, allerdings weiß ich nicht, ob es eine "Wesensschwäche" bei ihr ist, oder die vorherige Erziehung.
Hmmm... gibt es die möglichkeit nochmal mit den Vorbesitzern Kontakt aufzunehmen? Wenn ja solltest du sie konkret nach dem "Ausbildungsstand" von Cindy fragen. Auch unbedingt nachfragen, wie sie welches Komando gelernt hat. Dann kannst Du dir ein Bild machen ob ihr Verhalten Ausbildungsfehler sind oder Wesenssache.
Zitat:
Sie kann ganz wahnsinnig lieb, verschmust und anhänglich sein. (Ist sie auch überwiegend) Dann aber wieder total scheu (zwar nicht uns gegenüber), verunsichert und vor allem unwahrscheinlich stur.
Ja so sind sie, die Halbstarken.
Zitat:
Und wir (mein Mann und ich) sind wirklich sehr geduldig mit ihr. Aber wir können ihr auch nicht alles durchgehen lassen, sonst tanzt sie uns irgendwann nur noch auf der Nase rum.
Genau. Ihr solltet euch für den Hund klare Grenzen ausdenken und euch beide daran halten. Das ist wichtig, sonst spielt sie euch gegeneinander aus. Hinsetzen und stur spielen würde ich ihr nicht durchgehen lassen. Was hat sie für ein Halsband? es sollte so beschaffen sein, daß sie es auch mit aller Anstrengung nicht über den Kopf abstreifen kann. Beim Spazierengehen würde ich dann eine längere Leine verwenden ca 4-5m. Wenn sie dann meint irgendwann rumtrotzen zu können würde ich in die Gegenrichtung einfach weiter gehen ohne ein Komando und auch ohne zu schimpfen! Einfach nur die Richtung wechseln. Auch wenn das bedeutet sie ein paar Meter hinterher zu ziehen. Wenn Sie dann wieder ran kommt wird sie ganz doll gelobt.
Zitat:
...zieht sie Kopf und Schwanz ein, setzt sich hin und bewegt sich keinen Millimeter mehr von der Stelle oder das krasse Gegenteil: sie macht erst recht was sie will. Erst wenn man sie dann am Genick schnappt, findet sie urplötzlich ihr Gehör wieder.
:-) das ist wahrscheinlich Trotzverhalten. Wie schon oben beschrieben würde ich mit einer langen Leine arbeiten. ggf auch im Haus. Wichtig ist, das du sie in Verbindung mit der langen Leine nie schimpfst oder ansprichst. Du nimmst sie einfach mit. Und in dem Moment wo sie freiwillig folgt und ran kommt wird sie gelobt.
Am Genick schnappen würde ich sie nicht. Das könnte sie arg verunsichern. Besser wäre ein fester Schnauzengriff um sie in die Schranken zu weisen. Nackenschütteln ist keine Erziehungsmethode unter Hunden sondern Jagdverhalten! Nachzulesen in Blochs "Der Wolf im Hundepelz"
Überhaupt kann ich dir das Buch vom Bloch nur wärmstens empfehlen. Es ist so ziemlich das aktuellste und wissenschaftlich fundierteste was ich kenne.
Zitat:
...(am Anfang durfte man sie überhaupt nicht am Halsband nehmen),
wie seid ihr dann mit ihr spazierengegangen?
Zitat:
Am Wochenende war ich mit ihr bei einer Hundeschule und wollte mich dort eigentlich anmelden. Aber das konnte ich mir nach der ersten Stunde wieder aus dem Kopf streichen. Sie hat schon während der ersten Stunde erst mit Unsicherheit, dann mit Angst reagiert (Hinsetzen, keinen Millimeter mehr bewegen).
ich würde erst mal die Bindung zu ihr weiter aufbauen. Sie muß euch ganz vertrauen. Danach könnt ihr es nochmal mit der Hundeschule versuchen.
Zitat:
Ich mag meinen Hund nicht schlagen, damit er hört - dafür habe ich an sich kein Verständnis und ich kann meinen Hund auch nicht ständig mit Leckerlies belohnen.
das ist auch gut so, man schlägt keinen Hund. Über die Leckerlies könnte man allerdings streiten. Ich hätte kein Problem damit den Hund zunächst mit Leckerlies zu "überreden". Wenn Du dann genau weist was sie kann und ihr Spaß macht kannst du die Leckerlies ja wieder abbauen. Das "arbeiten" für Leckerlies stärkt enorm die Bindung des Hundes... also nutze es für dich.
Zitat:
Kannst Du mir vielleicht einen Tipp geben? Wie bekomme diese Sturheit bei ihr zumindest in den Griff?!?
Bin für jede Antwort/Hilfe dankbar.

Na ich hoffe ich konnte Dir ein wenig weiter helfen. Genauere Hinweise würden, denke ich, den Rahmen des Forums sprengen. Wenn Du magst kannst Du mich ja privat anmailen m.krenz-may@web.de

Viele Grüße
Michaela

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